Τρίτη, 15 Δεκεμβρίου 2009

πτήσεις

Όταν διάβαζα εκείνο το ατελείωτο Σιλμαρίλλιον, από τις μορφές που χαράχτηκαν στη μνήμη μου και στην ψυχή μου,  ήταν ο αστροταξιδευτής, ο Εαρέντιλ. Το όνομα του σήμαινε "εραστής της θάλασσας" και ήταν θαλασσοπόρος που για τα κατορθώματά του, οι θεοί τού χάρισαν την αιωνιότητα . Κι από τότε ταξιδεύει με το Σίλμαριλ στο μέτωπο  στον ουρανό. Πάνω στο πλοίο του φυσικά. Και με την αγαπημένη του. Είναι το άστρο που βλέπουμε πρώτο κάθε απόβραδο. Και τελευταίο κάθε αυγή. Ω, ναι το ξερω....το λέμε αποσπερίτη...ή αυγερινό...και φυσικά πλανήτη. Αφροδίτη.
Μα απ'όταν διάβασα το παραμύθι μού άρεσε να φαντάζομαι έναν ταξιδευτή εκεί πάνω, που κάθε μέρα κάνει τις βόλτες του ανάμεσα στ'αστέρια

Θυμάμαι παλιά που ο καλός μου ρωτούσε πώς θα βάφτιζε κανείς ένα πλοίο. Η εντελώς αυθόρμητη απάντηση ήταν " μα Εαρέντιλ φυσικά" δεν είναι μόνο που τα φωνήεντα χορεύουν τόσο όμορφα με τα δύο υγρά σε αυτό το όνομα...είναι η μαγεία....του αστροταξιδευτή.
Ο καλός μου θέλει να με ταξιδέψει σε όλες τις θάλασσες του κόσμου. Κι εγώ θα ήθελα να τον ταξίδεψω...εκεί πάνω. Την αγαπώ τη θάλασσα πολύ....μα ο ουρανός μού δίνει μιαν άλλη άπλα. Μιαν άλλη ελευθερία.

Προχτές  έπιασα στα χέρια μου ένα από τα λίγα βιβλία που έχω εδώ κοντά μου. Το έχω στη γερμανική του μετάφραση.
Είναι ενός ταξιδευτή που ένιωσε την πτήση όπως ίσως κανένας άλλος. Ή μάλλον όπως πολλοί σαν και τον ίδιο, που δεν είχαν όμως το χάρισμα να εκφράσουν τόσο όμορφα πώς είναι να ταξιδεύεις ανάμεσα στ'άστρα. Ή στα σύννεφα.
Πώς είναι να πετάς.....
Το παρακάτω απόσπασμα θέλω πολύ να το αφιερώσω σ'εκείνον που κουβαλά μια παρόμοια ψυχή.
(Από τη "Γη των ανθρώπων" του Exupery)


Um drei Uhr früh wurde ich geweckt. Ich schlug mit raschem Griff die Gardinen zurück, sah, dass es in der Stadt regnete, und zog mich in ernster Stimmung an.


Eine halbe Stunde später sass ich draussen auf meinem Kofferchen und wartete am regenglänzenden Bürgersteig auf den Autobus. So viele Kameraden hatten an ihrem Tauftag genau so gewartet, und auch ihnen war wohl ein wenig eng ums Herz gewesen. Endlich bog er um die Ecke, ein vorsintflutliches Fahrzeug, das wie eine Fuhre Alteisen klapperte, und ich verstaute mich auf der langen Bank zwischen den schlaftrunkenen Zollwärter und einige Schreiber aus der Verwaltung. Was roch dieser Autobus muffig nach Aktenstaub und Kanzlei, in denen das Leben eintrocknet! Alle halben Kilometer hielt er an, um einen weiteren Büromenschen oder einen Inspektor oder einen Zollbeamten aufzuladen. Die anderen schliefen schon wieder und beantworteten den Gruss jedes Neuankommlings mit einem undeutlichen Grunzen. Dann suchte sich dieser seinen Platz, so gut es ging, und schlief auch ein. Das war eine traurige Fahrt auf dem holprigen Pflaster von Toulouse. Und der Herr Verkehrsflieger unterschied sich anfangs gar nicht von allen den Beamten, unter die er gepackt war. Aber die Strassenlampen zogen vorbei, der Flugplatz kam immer näher, und der alte schüttelnde Autobus ähnelte einer Puppenhülle, der ein Schmetterling entsteigen soll: denn aus diesem Fahrzeug gingen Menschen verwandelt hervor.

So hatten an ähnlichen Morgen meine Kameraden vor mir die Neugeburt erlebt; mitten unter diesen leichtverletzten Beamtenseelen, im Banne der mürrischen Blicke des Herrn Inspektors war plötzlich der Mensch in ihnen gewachsen, der die volle Verantwortung fur die Post nach Spanien und Afrika trug, der drei Stunden später den Kampf mit den blitzesprühenden Drachen auf dem Bergkamm des Hospitalet aufnehmen würde und der vier Stunden später nach glücklichem Sieg uber dieses Ungeheuer mit uneingeschränkter Vollmacht beschliessen durfte, entweder den Bergstock von Alcoy unmittelbar anzugreifen oder ihn übers Meer hin zu umfliegen. Da stand mit einem Male der Herrscher, der sich nur noch mit den Gewitterstürmen, mit Bergriesen und Weltmeeren abgab. Fünf Stunden später gab er dem Winter den Abschied, liess Schnee und Regen des Nordens hinter sich und setzte mit leerlaufendem Motor im herrlichsten Sommer unter der strahlenden Sonne von Alicante zur Landung an.


Den alten Autobus gibt es nicht mehr. Aber seine Kahlheit und Unbequemlichkeit sind mir lebendig in der Erinnerung geblieben. So wie er war alles, was wir durchlebten, ehe wir die herben Freuden unseres Berufes geniessen durften. Alles bekam in diesem Fahrzeug eine geradezu packende Nüchternheit. So erinnere ich mich, wie ich drei Jahre später den Tod des Fliegers Lecrivain erfuhr. Er war einer der hundert Kameraden, die an einem nebligen Tage oder in einer nebligen Nacht ihren ewigen Abschied nahmen. Nicht zehn Worte wurden dabei gewechselt. Es war auch um drei Uhr morgens; es herrschte dasselbe Schweigen. Da tonte plötzlich aus dem Dunkeln die Stimme des Direktors, den wir selbst nicht sehen konnten. Er wandte sich an den Inspektor: „Lecrivain ist heute nacht nicht in Casablanca gelandet."

„So", sagte der Inspektor, „so!"

Und weil er nun einmal seinen Traumen entrissen war, raffte er sich zusammen, um Diensteifer zu zeigen, und bemühte sich aufzuwachen: „So? Nicht ? Da ist er nicht hinübergekommen ? Er ist wohl umgekehrt?"

Da kam aus dem Hintergrund des Autobus das eine Wort : „Nein."
Wir warteten, aber es kam nichts mehr. Und wie sich Sekunde an Sekunde reihte, wurde uns immer klarer, dass diesem Nein kein anderes Wort folgen wurde. Es war ein Nein ohne Widerruf. Lecrivain war nicht in Casablanca gelandet; er war nirgends gelandet und wurde auch nirgends mehr landen.


An jenem Morgen meines ersten Fluges machte ich diese unfeierliche Weihe durch wie alle anderen. Mir fehlte dabei das rechte Selbstvertrauen, wenn ich so durch die Scheiben hinaussah, wie sich die Strassenlampen auf nassem Asphalt spiegelten und auf den Pfiitzen kleine Wellen vom Winde hingejagt wurden. Ich sagte mir: „Für deinen ersten Postflug hast du wahrhaftig kein Glück!" Ich wandte mich an den Inspektor: „Schlechtes Wetter, was?" Er sah mechanisch zum Fenster hinaus und knurrte nach einer Weile: „Danach kann man nicht gehen." Und ich griibelte darüber nach, wonach man eigentlich gehen müsste, um schlechtes Wetter zu erkennen. Am Abend zuvor hatte Guillaumet mit einem Lächeln alles Geunke der Alten beiseite gewischt. Nun kam mir das ganze Gerede wieder, mit dem sie uns duckten: „Wenn einer nicht jeden Kieselstein auf der Strecke kennt und er gerät in einen Schneesturm, dann kann er mir leid tun. Ja, ja, dann kann er mir leid tun!" Natürlich, sie mussten ihr Ansehen wahren und sahen uns mit einem leichten Kopfschütteln und einer besonderen, etwas peinlichen Art von Mitleid an, als ob unsere kindliche Einfalt sie erbarmte.

Wie vielen von uns hatte dieser Autobus das letzte feste Dach geboten ? Sechzig, achtzig ? Alle hatte derselbe schweigsame Fahrer an einem trüben Morgen gefahren. Ich sah mich um. Wie kleine Glühwürmchen standen die Zigaretten in der Dunkelheit.Hinter jeder zogen unbedeutende Gedanken durch eine angegraute Beamtenstirn. Wie vielen von uns hatten diese Leute das letzte Geleit gegeben?


Ich erhaschte einige Bruchstücke von den Gesprächen, die leise geführt wurden. Da ging es um Krankheiten, Geldsorgen und allerlei häusliche Nöte. Jedes Wort liess die kalte Gefängnismauer ahnen, hinter der diese Leute sich selbst eingeschlossen hatten.

Mir war, als sahe ich das Antlitz des Schicksals plotzlich vor mir.

Du alte Beamtenseele, Kamerad an meiner Seite! Nie hat dir jemand den Weg ins Freie gezeigt, und du kannst nichts dafür. Du hast dir deinen Frieden gezimmert, indem du wie die Termiten alle Luken verschlossen hast, durch die das Licht zu dir drang und durch die du zum Licht schautest. Du hast dich eingerollt in bürgerliche Sicherheit, in Gepflogenheiten, in die erstickenden Brauche deines Provinzlebens. Du hast dies bescheidene Bollwerk aufgerichtet gegen Sturm und Flut und Gestirne. Du willst dich nicht mit grossen Fragen belasten; du hattest genug zu tun, dein Menschentum zu vergessen. Du fühlst dich nicht als Bewohner eines Sterns, der durch den Weltraum irrt, du stellst keine Fragen, auf die du keine Antwort bekommst; nein, du bist ein braver kleiner Bürger von Toulouse. Als es noch Zeit war, hat keiner dich mitzureissen versucht; nun ist der Lehm, aus dem du gemacht bist, eingetrocknet und hart, das verborgene göttliche Spiel in dir wird nie zum Klingen erwachen: tot ist der Dichter, der Musiker, der Sternenforscher, die vielleicht auch in dir einst gewohnt haben.

Nein, ich will mich über den peitschenden Regen nicht beklagen. Der Zauber meines Berufes erschliesst mir eine Welt, in der ich schon in zwei Stunden die schwarzen Drachen bekämpfen und gegen die Berge anrennen darf, die blaue Blitze umwallen, wo ich, wenn die Nacht gekommen ist, frei bin und meinen Weg in den Sternen lese.


So verlief unsere Berufsweihe, und dann stiegen wir auf. Die meisten Flüge hatten keine Geschichte. Friedlich versenkten wir uns in die Tiefen unseres Reiches, wie die Berufstaucher ruhig ins Meer hinabsteigen. Heute ist ja alles gut erschlossen. Flugzeugführer, Mechaniker und Funker versuchen keine Abenteuer mehr, sondern verschliessen sichin ein förmliches Laboratorium. Sie gehorchen dem Spiel ihrer Instrumente, nicht mehr dem Lauf der Landschaft. Gewiss lauern auch heute noch draussen Berge in der Dunkelheit. Aber es sind keine Berge mehr, es sind unsichtbare Kräfte, deren Nahen man errechnen muss. Der Funker schreibt brav im Schein seines Lämpchens Zahlen auf, der Mechaniker steckt die Ergebnisse auf der Karte ab und der Flieger gleicht den Kurs aus. Denn die Peilungen verraten, wenn die Berge nicht dort sind, wo er sie vermutete, wenn der Gipfel, den er links liegen lassen wollte, sich heimlich und leise vor ihm aufbaut wie ein gutgetarnter feindlicher Aufmarsch.

Die Funkstationen, die auf der festen Erde wachen, buchen alle ebenso treu zur gleichen Sekunde den gleichen Funkspruch: „0 24., Kurs auf Strich 230. An Bord alles in Ordnung "

So reist die Besatzung heute. Sie merkt nicht, dass sie fliegt. Weit ist sie von jeder Steuermarke wie ein Schiff nachts aufhoher See. Und doch: die Motoren füllen dies helle Zimmer mit einem Zittern, das alle Dinge bis ins tiefste umgestaltet; ein unsichtbares Zauberwesen wirkt in den Zifferblättern, den Funkröhren, den Instrumenten. Von Sekunde zu Sekunde erneuern kleine Gebärden, halberstickte Worte, ununterbrocheneAufmerksamkeit das Wunder. Und wenn die Stunde gekommen ist, kann der Flugzeugführer mit vertrauensvoller Sicherheit seine Stirn an die Scheiben legen, um hinauszusehen. Gold ist aus dem Nichts geboren und strahlt in den Feuern des Flughafens.

Aber wir alle haben noch jene Flüge gekannt, in denen man sich plötzlich, nur zwei Stunden vom Flugplatz entfernt, durch irgend etwas beunruhigt, so unsagbar einsam fühlte, dass man mitten in Indien nicht verlassener sein konnte; jede Hoffnung auf Rückkehr schien geschwunden.

So kam einst Mermoz auf seinem ersten Flug im Wasserflugzeug über den Südatlantik gegen Abendgrauen in die Gegend des „Schwarzen Topfes". Da sah er, wie sich die langen Schwanze der Windhosen vor ihm immer enger zusammenschlossen, als ob eine Mauer gefügt würde. Und auf diese angenehme Vorbereitung legte sich die Nacht, so dass er nichts mehr sah. Als er eine Stunde später unter diese Wolke kam, geriet er in ein sinnenbetorendes Zauberreich.

Da standen die Wasserhosen dicht beieinander und scheinbar unbeweglich wie die schwarzen Säulen eines Domes. Auf ihren ausladenden Kapitellen trugen sie das düstere, niedrig lastende Gewölbe des Sturmes. Aber Lichtfelder brachen durch die Lücken dieser dunklen Himmelsdecke, und zwischen den grausigen Pfeilern schien der Mond auf die kalten Fliesen des Meeres hinab. Vier Stunden lang flog Mermoz seinen Weg durch diese unbewohnten Ruinen. Er kreuzte von Lichtfleck zu Lichtfleck, er umflog die Riesensäulen, in denen das Meer seine tobende Himmelfahrt feierte, er folgte den hellen Streifen, in denen das Mondlicht in den Tempel einbrach, bis er das Tempeltor erreichte. Und so gewaltig war der Anblick, dass Mermoz, als er endlich den Schwarzen Topf hinter sich liess, mit Staunen bemerkte, dass er gar nicht dazu gekommen war, Angst zu haben.


Auch ich erinnere mich an eine der Stunden, in denen man die Grenzen der wirklichen Welt überschreitet. Eines Nachts hatten uns die Peilungen, die uns von den Flugplatzen um die Sahara zukamen, ständig irregeleitet. Wir hatten uns weit verflogen, der Funker Neri und ich, bis ich plötzlich durch einen Riss im Nebel tief unten Wasser leuchten sah. Natürlich wendete ich hastig in der Richtung auf die Küste. Aber wir konnten nicht wissen, wie lange wir schon meerein geflogen waren. Wir mussten damit rechnen, die Küste nicht mehr zu erreichen, da der Treibstoff dem Ende zuging. Und wenn wir schon bis zur Küste kamen, mussten wir noch den Flughafen ansteuern. Nun rüstete sich aber der Mond zum Untergehen; ohne Peilungen waren wir schon taub, nun sollten wir auch noch blind werden. Es wurde immer durrkler, und schliesslich war der Mond wie eine mattglühende Kohle in einer Nebelwand erloschen, die wie ein Schneeball wirkte. Auch über uns bedeckten Wolken den Himmel, und so zogen wir zwischen den Wolken und dem Nebel hin in einer lichtlosen, ja geradezu körperlosen Welt.

Die Flughafen, von denen wir Antwort erhielten, gaben es auf, uns über unsere Stellung zu unterrichten. „Keine Ortsbestimmung möglich. - Keine Ortsbestimmung möglich." Denn unsere Stimme kam zu ihnen von überall und nirgendwo.

Plötzlich, als wir schon alle Hoffnung aufgeben wollten, erschien links vorn im Blickfeld ein leuchtender Punkt. Ich fühlte, wie mich die Freude durchbrauste; Neri beugte sich zu mir herüber,und ich hörte, dass er sang! Es konnte ja nur der Flughafen mit seinen Leuchtbaken sein. Die Sahara zeigt nämlich nachts kein einziges Licht und ist ein riesenhaftes totes Gebiet. Da aber zuckte das Licht ein wenig und erlosch gleich darauf. Wir hatten einen Stern angesteuert, der kurz vor dem Untergehen für einige Minuten am Blickrande zwischen den Wolken und der Nebelschicht sichtbar wurde. Nun aber sahen wir andere Lichter und steuerten sie in dumpfer Hoffnung eins nach dem anderen an. Wenn einmal eines nicht beim Nahen entschwand, machten wir den Versuch, der über unser Leben entscheiden konnte: „Wir sehen Leuchtfeuer", meldete Neri dem Flughafen Cisneros und befahl: „Löscht euer Leuchtfeuer dreimal hintereinander!" Dreimal löschte Cisneros sein Feuer und zündete es dreimal wieder an. Das einsame Licht aber, das wir scharf beobachteten, zwinkerte nicht einmal; es blieb ein menschenunzugänglicher Stern.

Wenn auch der Betriebsstoff zu Ende ging, wir schnappten doch jedesmal nach dem leuchtenden Koder. Jedesmal schien es das unverkennbare Licht eines Leuchtfeuers, jedesmal sahen wir zweifellos den Flughafen und das Leben - und jedesmal mussten wir den Stern wechseln.

Wir fühlten uns verloren im Raum zwischen den Welten, unter lauter unerreichbaren Planeten, auf der Suche nach dem einzigen wahren Stern, nach dem einen, der unsere vertrauten Gegenden beherbergt, freundliche Häuser und alles, woran unser Herz hing.

Der einzige wahre Stern, der eine, der ... Ich will euch von dem Bilde berichten, das mir erschien und das ihr vielleicht kindisch finden werdet. Aber man bleibt sehr menschlich, auch inmitten der Gefahr. Und ich hatte Durst, und ich hatte Hunger. Wenn wir Cisneros fänden, dann wollten wir gleich weiterfliegen, sobald wir frisch getankt hatten. In Casablanca wollten wir im kählen Morgengrauen landen - Feierabend ! Neri und ich wollten dann in die Stadt gehen; da findet man schon so kleine Wirtschaften, die beim ersten Tageslicht aufmachen. Wir wollten uns dann an einen Tisch setzen und in aller Sicherheit iiber die vergangene Nacht lachen, vor uns frisches Weissbrot und warmen Milchkaffee. Wir wurden dieses morgenfrische Geschenk des Lebens in vollen Zügen geniessen.


Die alte Bäuerin kann ihren Gott nur durch ein gemaltes Bildnis, eine kindliche Schaumünze, einen Rosenkranz erreichen. Genau so sammelte sich alle Lebensfreude fur mich in dem ersten Schluck des duftenden und warmen Getränkes, gemischt aus Kaffee, Milch und Korn, durch den man mit friedlichen Weiden, überseeischen Pflanzungen und heimischen Ernten, kurz mit der ganzen Welt in Verbindung kam. Unter allen Sternen gab es nur einen, der diese duftende Schale des morgendlichen Mahles in Reichweite fur uns bereithielt.

Aber unüberwindbare Fernen türmten sich zwischen unserem Raumschiff und der bewohnten Erde. Alle Reichtümer der Welt wohnten in einem Sandkorn, das unter den Gestirnen verloren schien. Neri, der Sternforscher, suchte es zu erkennen und beschwor die Sterne.

Plötzlich fiel seine Faust schwer auf meine Schulter. Auf dem Zettel, den dieses Zeichen ankündigte, las ich : „Alles macht sich. Empfange eine prächtige Meldung." Mit klopfendem Herzen wartete ich ab, bis er die fünf oder sechs Worte umgeschrieben hatte, die uns retteten. Und endlich hielt ich das Geschenk des Himmels vor mir.

Der Funkspruch war gegeben zu Casablanca, von wo wir am Abend vorher abgeflogen waren. Seine Weitergabe hatte sich verzögert, so dass er uns nun, 2000 Kilometer weiter, erreichte, zwischen Wolken und Nebel, verloren über dem Weltmeere. Er kam von der Flugpolizei in Casablanca und ich las: „Herr de Saint-Exupery. Sehe mich genötigt, Strafmassnahmen in Paris gegen Sie zu beantragen. Sie haben bei Ihrem Abflug von Casablanca zu nahe am Flugzeugschuppen gewendet." Natürlich hatte ich das getan, und natürlich tat der Mann nur seine Pflicht, wenn er sich aufregte. In der Dienststube des Flughafens hatte ich den Verweis auch mit Demut eingesteckt. Aber hier suchte er uns, wo er uns nicht zu suchen hatte; mitten unter den wenigen zerstreuten Sternen in diesem Nebelnest, im drohenden Bannkreise des Meeres. Wir trugen in unseren Händen unser eigenes Los, das der Post und des Flugzeuges. Mühsam steuerten wir um Tod und Leben. Und dieser Mensch liess seinen kleinlichen Hass an uns aus. Aber statt uns zu ärgern, fühlten wir beide, Neri und ich, eine Welle jubelnder Heiterkeit: hier waren wir ja Herren, und er zeigte es uns. Hatte dieser Korporal nicht an unseren Aufschlagen gesehen, dass wir Hauptleute waren ? Was störte er unsere Träume, wo wir doch zwischen dem Grossen Bären und dem Sternbild des Schutzen pendelten, wo die einzige Frage, die an uns uberhaupt herankam und uns beschäftigen konnte, die war, dass uns der Mond verraten hatte ?

Die dringendste Pflicht, die einzige Pflicht des Planeten, von dem dieser Mann sich äusserte, war doch, uns Zahlen fur unsere Berechnungen im Weltenraum zu liefern. Sonst hatte er vorläufig den Mund zu halten. Und Neri schrieb mir: „Statt sich mit solchem Quatsch abzugeben, könnten sie uns lieber den Weg zeigen." ,Sie" das waren fur ihn alle Völker des Erdenrunds mit ihren Ober- und Unterhäusern, Kriegsflotten und Landheeren und allen ihren Fürsten. Nochmals lasen wir these Botschaft eines Verrückten, der meinte, uns erreichen zu können, und richteten unseren Kurs auf den Merkur.


Der merkwürdigste Zufall rettete uns. Der Augenblick war gekommen, wo ich die Hoffnung aufgab, Cisneros zu erreichen. Ich nahm den Kurs senkrecht auf die Küste und beschloss diesen beizubehalten, bis der Brennstoff ausging. So behielt ich wenigstens eine kleine Aussicht, nicht auf See niedergehen zu müssen. Leider befand ich mich Gott weiss wo, da ich den trügerischen Lichtern gefolgt war, und leider liess uns der dichte Nebel, in den wir auch im günstigsten Falle in dunkler Nacht hinabsanken, wenig Hoffnung, ohne Bruch zu landen. Aber mir blieb keine andere Wahl.

Die Lage war so eindeutig, daB ich trübe mit den Achseln zuckte, als mir Neri eine Botschaft zusteckte, die unsere Rettung bedeutet hatte, wenn sie nur eine Stunde früher gekommen ware: „Cisneros will uns auspeilen. Cisneros meldet 216." So war Cisneros nicht mehr in Nacht versunken, es zeigte sich greifbar zu unserer Linken. Aber wie weit ? Neri und ich wechselten einige Worte. Es war zu spät, darüber waren wir uns einig. Wenn wir Cisneros ansteuerten, sank die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Küste erreichten. Neri funkte deshalb zurück: „Da nur noch für eine Stunde Betriebsstoff, halten wir Kurs auf Strich 93."

Inzwischen erwachten die Flughafen einer um den anderen. In unsere Zwiesprache mit Cisneros mischten sich die Stimmen von Agadir, Casablanca, Dakar. Die Sendestationen aller dieser Städte hatten die Flughafen alarmiert. Deren Vorstände hatten wiederum die Kameraden wachgetrommelt. Allmählich versammelten sich these Funkstimmen um uns wie um ein Krankenbett. Gewiss, es war verlorene Liebesmüh. Aber es tat doch wohl. Die Ratschlage nützten nichts, aber sie waren alle gut gemeint.

Plützlich meldete sich Toulouse, der Endpunkt der Strecke, dort drüben, hinter viertausend Kilometern. Es gesellte sich mit einem Schlage zu uns und begann ohne Umschweife: „Fliegen Sie die Maschine F (und da folgte die Nummer) ?" - Wir: „Ja." - Toulouse: „Dann haben Sie noch fur zwei Stunden Betriebsstofl: Ihr Tank ist kein Normtank. Fliegen Sie Cisneros an!"

So bereichern und verwandeln die Notwendigkeiten eines Berufes die Welt. Ein Verkehrsflieger braucht nicht einmal eine solche Nacht, um neuen Sinn im alten Schauspiel zu entdecken. Die eintönige Landschaft, die den Fluggast ermüdet, spricht zu der Besatzung des Flugzeuges auf vielfältige Weise. Die wolkige Masse, die in der Ferne die Blickgrenze abschliesst, bedeutet für den Flieger nicht mehr nur eine schöne Kulisse. Er weiss ja, dass er bald mit Muskelkraft und Geisteskraft gegen sie zu ringen hat. Schon jetzt setzt er sie in seine Rechnung ein. Er misst sie. Er ist ihr in einer wirklichen Zwiesprache verbunden. Dort ragt, noch in weitem Abstand, ein Berggipfel. Wie wird er sich heute zeigen ? Scheint der Mond, dann ist er als Steuermarke willkommen. Aber wenn man blind fliegen muss und die Kursabweichungen nur mit Miihe ausgleicht und nie ganz sicher ist, wo man sich befindet, dann wird der Gipfel plötzlich zum Sprengkörper, der das ganze nächtliche Luftmeer mit seiner drohenden Nähe vergallt, so wie eine einzige Mine, die unter der Wasseroberflache nach Laune der Strömung umhertreibt, das ganze Meer vergiftet.

Auch die Meere sind so unsagbar verschieden. Der Fluggast kann freilich den Sturm nicht sehen; denn aus solcher Höhe erscheinen die Wellen eingeebnet und die Schaumkronen unbeweglich. Nur weisse Palmen entfalten unter der Sturmboe ihre gerippelten und geränderten Fächer, die wie gefroren wirken. Die Besatzung aber weiss, dass an solchen Stellen jedes Niedergehen verboten ist. Für sie gleichen die Palmwedel den riesigen Blüten giftiger Tropenblumen.


Selbst bei ruhigstem Wetter erlebt der Verkehrsflieger, der irgendwo seinen Streckenabschnitt befliegt, kein gewöhnliches Schauspiel. Die Farben von Erde und Himmel, die Spuren des Windes auf dem Meere, die Wolken, die das Abendrot vergoldet, das alles sind far ihn nicht Gegenstände der Bewunderung, sondern des Nachdenkens. Der Bauer, der über sein Land hinschreitet, spürt aus tausend Anzeichen den Anmarsch des Frühlings, die Drohung des Spätfrostes und die Verheissung des Regens. Der Berufsflieger erkennt ebenso die Zeichen des Schnees, die Zeichen des Nebels, die Zeichen einer friedlichen Nacht. Die Maschine scheint uns von der Natur zu entfernen. Und gerade sie unterwirft uns mit ganz besonderer Strenge den ewigen Naturgesetzen. Mutterseelenallein vor dem gewaltigen Gerichtshof, den ein stürmischer Himmel eingesetzt hat, verteidigt der Flieger seine Post gegen drei Naturgottheiten: Berg, Meer und Sturm.

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